Die Eisdicke – Ab wann ist See Eis sicher?

Die Eisdicke – ab wann ist See Eis sicher?Dünnes Eis auf gefrorenen Seen ist ein grosse Gefahr. In diesem Beitrag erläutere ich, wie ich Risiken verkleinere, wenn ich mich auf See Eis bewegte. 

https://youtu.be/L9RaEbzkV5Q

Ende Oktober kam ich von meiner CDT Wanderung wieder zu Hause an. Ein Wintermärchen hieß mich willkommen. Das weisse Glück war schon reichlich vorhanden. Was für ein Empfang in meinem Zuhause mitten in der Natur!

Jedoch war die Eisdicke fast gleich Null. Nur hauch dünnes Eis bedeckte das Wasser rund um meine Halbinsel. Und die darauf liegenden Zentimeter Schnee sorgten dafür, dass dieses wenige Eis auch bereits isoliert und das See Eis im Wachstum gebremst wurde. 

Eine schlechte Situation für mich und meine Schlittenhunden. Die Waldwege, über die wir normalerweise im Herbst sausten waren mit reichlich Schnee bedeckt. Und die Strasse dahin gepflügt und eisig. Geduld war angesagt und das Training musste noch warten. 

Gemäss Aussagen meiner Bekannten sorgte eine lang anhaltende Regenperiode im Herbst zusätzlich dafür, dass die Sümpfe teilweise auch zu Seen wurden. Eine schlechte Ausgangslage für gefrorene Seen.

Glücklicherweise ließ ein erneuter Wärmeeinbruch die Sümpfe und den Schnee auf dem dünnen See Eis wieder zu Wasser werden. Es bestand also nochmals eine Chance für eine bessere Eisdicke. Dazu benötigte es aber vor dem kommenden Schneefall tiefe Minustemperaturen.

Wir kriegten aber die gewünschte Kälte nur teilweise. Das Eis bildete sich sehr schleppend. Aber immerhin war es möglich, eine kurze Hunde-Trainings Spur auf den nun gefrorenen Sümpfen zu ziehen.

Jeden Morgen galt mein erster Blick dem Thermometer. Mit der Faustregel 0,1 mm pro Minusgrad und Stunde verfolgte ich in Gedanken Eisdicke. Und nach einer Nacht mit tollen minus 20 Grad Celsius sammelte ich meine Messwerkzeuge und brauste zu meiner See Übergangsstelle. 

Mit einer speziellen Eis Hacke durchschlug ich die Eisdecke erst unweit vom Ufer. Das Eis war nicht von guter Qualität (mehr dazu erläutere ich weiter unten). Zuoberst befand sich dünnes Eis und darunter stieß ich nochmals auf 2-3 cm Wasser vor der eigentlichen Eisschicht.

Die darunterliegende 12 cm Eisdicke ließ mich aber hoffen. Vorsichtig arbeitete ich mich vorwärts. Die Eis Hacke in der einen Hand und den Messstab in der andern marschierte ich langsam Richtung Seemitte.

Mit jedem 2. Schritt schlug ich die Eis Hacke heftig aufs Eis. Hielt es den Schlägen stand, wusste ich, dass die Schicht mich trägt. An der schwächsten Stelle der Überquerung mass ich noch eine Eisdicke von 8-10 cm. Gerade genügend für einen Menschen. Jedoch nicht wirklich für mich mit meinem Hundegespann.

Ich hatte eine Idee. Die 2-3 cm Wasser auf dem See Eis waren nun sehr willkommen. Mein Herz schlug höher und höher als ich mich auf den Motorschlitten setzte. Nochmals kontrollierte ich meine kleinen Hand “Eispickel” um den Hals. Die Retter in der Not. Sollte ich durchs Eis fallen würde ich mich damit leichter auf die Eisdecke arbeiten können.

Dann fasste allen Mut zusammen und brauste entlang meinen Messlöchern. Das Wasser spritze wie erwartet links und rechts davon. Ich durchbrach dünnes Eis und legte die 2-3 cm Wasser auf dem eigentlichen See Eis frei. 

Mit dem erreichen des anderen Ufers sank mein Herzschlag wieder tiefer. Alles gut. Ich war in Sicherheit. Ich brauste noch einige Male hin und her, um die Spur so breit wie möglich zu machen. 

Nun würde das “hochgeholte” Wasser in der kommenden Nacht die Eisdicke um zusätzliche 3 cm wachsen lassen! Und damit kam ich meinem richtigen Hundetraining einen grossen Schritt näher! Glücklich und zufrieden sammelte ich alle meine Utensilien, verstaute sie in meinem Motorschlitten und fuhr nach Hause. Ein wärmender Kaffee in meinem Tiny House vervollständigte mein Glück. 

Eisige Hintergrundinformation

Wie die Eisdicke wächst

Eis ist Wasser in einem festen Zustand. Am schwersten ist das Wasser bei vier Grad über Null. Im Herbst kühlt das Oberflächenwasser ab und sinkt, das Wasser schichtet sich und die Wärme des Wassers wird in die Luft getragen. Erst danach kann das See Eis beginnen, sich zu setzen. Das Eiswachstum hängt von Wind, Wetter und Temperatur ab.

Da viele Parameter eine Rolle spielen, ist es schwierig, genau vorherzusagen, wie schnell die Eisdicke wachsen wird. Als Faustregel gilt ein Zehntel Millimeter Wachstum pro Stunde Minusgrade. Zehn Grad unter Null für zehn Stunden ergeben einen Zentimeter Eis. Unter idealen Bedingungen wächst das Eis aber viel schneller. 

Willst Du mehr wissen, wie genau sich Eis bildet, findest Du hier mehr Information dazu.

Die verschiedenen See Eis Qualitäten

Salzwassereis, Frühlings Eis und Eis mit Schnee erfordern eine größere Dicke, um zu tragen. Eine Eisschicht auf einem See ist nicht gleichmäßig dick. Unterschiedliche Tiefen, Strömungen, Temperaturunterschiede und Wettereinflüsse schaffen unterschiedliche Bedingungen für die Eisbildung. 

Bewegung im Wasser ist die häufigste Ursache für schwache und gefährliche Stellen. Diese finden sich in Meerengen, an Landzungen, über Untiefen und an Stellen, an denen Wasser in den oder aus dem See fließt. 

Auch Brücken und Stege bilden zum Zeitpunkt des Gefrierens meist schwaches See Eis. Und Windbrunnen sind gefährliche Punkte, die durch den Wind offen gehalten werden und später zufrieren als das umgebende Wasser.

Durch die Sonneneinstrahlung werden im Frühjahr Risse schnell zu breiten Spalten. Sie befinden sich in der Regel jedes Jahr an den gleichen Stellen. 

Die Beurteilung von der Eisdicke erfordert sowohl Erfahrung als auch Kenntnis seiner Eigenschaften. 

Kern Eis – Schwarzes Eis

Bei kalten Temperaturen ohne Schnee bildet sich das sogenannte Kern Eis. Das Wasser gefriert direkt und schnell zu Eis, ohne Schnee Gemisch. Es ist transparent und oft glänzend und schwarz. Es wächst nach unten, bildet säulenförmige Kristalle und ist im Allgemeinen die stabilste Eisart.

Festes Eis

Das nächste Stadium ist das undurchsichtige, gräuliche feste Eis. Es besteht aus Schneeeis, das entsteht, wenn nasser Schnee an seiner Oberseite gefriert. Darüber liegt meist eine mehr oder weniger dicke Schneedecke.

Das schwedische Stöpis (kenne leider die Übersetzung nicht)

Wenn Schnee fällt und sich auf dem See Eis absetzt, drückt das Gewicht des Schnees das Eis nach unten. Wenn im Verhältnis zur Eisdicke genügend Schnee gefallen ist, sickert Wasser durch kleine Risse auf das Eis. Wie ein Schwamm wird dann mehr Wasser in den Schnee gesaugt.

Wenn der untere Schnee nass wird, wird das Eis weiter beschwert, und der nasse Schnee Matsch, der sich bei null Grad auf dem Eis bildet, verhindert weiteres Wachstum auf der Unterseite des Eises. 

Stattdessen beginnt der Schneematsch/Schnee zu gefrieren und zu wachsen, vorausgesetzt, es herrschen kalte Bedingungen. Es gibt also zwei Eisschichten mit Wasser dazwischen. Nur wenn das Wasser dazwischen gefriert, kann die Eisdicke weiter wachsen.

Schwedisches Stampis

Starke Winde und Wellen können Eis gegen Land oder festeres Eis drücken. Dieser kann einen so genannten Wall bilden, der mehrere Meter in die Tiefe reichen kann.

Packeis

Ebenso kann Eis mit einer Dicke von bis zu 20 Zentimetern sogenannte Packeiswände bilden. Packeisdämme entstehen, wenn Eis gegen Land oder festeres Eis gepresst und übereinander gestapelt wird, und können mehrere Meter hoch werden.

Tragfähigkeit

Die Tragfähigkeit steigt mit dem Quadrat der Dicke, d. h. wenn 3 cm 90 kg tragen, tragen 4 cm 160 kg und 5 cm 250 kg. Natürlich nimmt die Tragfähigkeit des Eises entsprechend ab. Dabei spielen auch die Gewichtsverteilung und die Geschwindigkeit auf dem Eis eine Rolle. 

Die entsprechende Anzahl Zentimeter bezieht sich selbstverständlich immer auf solides Kerneis. Was Kern Eis ist, habe ich weiter oben erläutert. Und solides Eis bedeutet, dass die Eisdicke diese Mindestanzahl cam an der dünnsten Stelle aufweisen muss. 

Ein Fussgänger oder Schlittschuhläufer kann auf bis zu vier cm dünnem Eis laufen, ohne das Eis zu durchbrechen. Das Eis ist jedoch nicht immer glatt und weist Risse auf, so dass 5-6 cm Dicke für Sicherheit nötig sind. Und wie oben erwähnt, sollte dies solides Eis, resp. solide cm sein. 

Je mehr Personen sich gleichzeitig auf dem See Eis bewegen umso schneller sinkt die Tragfähigkeit. Gehst Du also mit einer Gruppe raus ist es von höchster Wichtigkeit, Abstände zwischen den einzelnen Personen einzuhalten. 

Für Motorschlitten oder Quads ist eine Eisdicke von mindestens 12-20 cm angebracht. Je nach Gewicht der Maschinen. Für Autos werden mindestens 20 cm Eis benötigt.

Sicherheits Massnahmen auf dem See Eis
  • Sei nie allein
  • Trage immer Hand “Eispickel” und andere Sicherheitsausrüstung (Ersatzkleidung, Test stock, Rettungsseil etc.)
  • Teste das Eis immer mit einem Eispickel, wenn Du unsicher bist
  • Gehe nie auf Eis, wenn Du unsicher bist ob es hält
  • Beachte, dass neues Eis, Frühling Eis, und Schnee bedecktes Eis schwach sein können.
  • Lerne wo die Schwachstellen liegen: Schilf, Felsen, Steg, Brücke, Auslauf, Bucht, Untiefe und Windkanal
  • Lasse Kinder niemals allein auf oder in der Nähe von See Eis
  • Gib immer bekannt, wohin Du gehst und wann Du zurückkehren willst
Was sollst Du tun, wenn Du durch das Eis fällst?

Als erstes drehst Du Dich in die Richtung, aus der Du gekommen bist. Da weisst Du, dass Dich das Eis dort noch getragen hat. Danach benutzt Du Deine Hand Eispickel, die Du vorzugsweise hoch oben um den Hals trägst, damit Du sie leicht erreichen kannst. Mit Hilfe dieser Eispickel ziehst Du Dich auf das Eis. 

Gleichzeitig hilfst Du mit den Beinen beim Schwimmen. Wenn Du dann auf dem Eis bist, stehst Du nicht sofort auf, da sonst die Gefahr eines erneuten Einsturzes besteht. Du rollst Dich vom Loch weg oder hackst Dich mit den Eispickeln im Liegen weiter. Bis Du eine Stelle erreichst, an der Du sicher aufstehen kann. Und vergiss nicht: See Eis ist NIE 100% SICHER! 

Beiträge zu meinem Leben in einem Tiny House im Norden findest du hier.

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